Pflege und Gesundheit

Die gravierenden Veränderungen im Gesundheitswesen im Sinne von Entsolidarisierung, Privatisierung und Ökonomisierung, haben für uns Angestellte zum Teil menschenunwürdige Arbeitsbedingungen geschaffen und für Kranke und Pflegebedürftige den Zugang zur Gesundheitsversorgung in die Abhängigkeit ihres Geldbeutels gestellt.

Wer Angehörige zu Hause pflegt, als Pflegekraft in einer Einrichtung, in der ambulanten Pflege oder Krankenhaus arbeitet, sieht sich ohnmächtig und allein dem Arbeitgeber und der großen verworrenen Maschinerie namens Gesundheitssystem gegenüber. In Praxen beschäftigte Medizinische Fachangestellte, Physio- oder Ergotherapeut_innen arbeiten nicht selten zu Niedriglöhnen und sind sich oftmals nicht bewusst, dass sie grundlegenden Arbeitsrechtsverletzungen ausgesetzt sind.

FAU Dresden bei Protesten des

Bedenkliche Übertragung und Delegation von medizinischen Aufgaben, spärliche Praxisanleitung und verlangte unbezahlte Praktika und Weiterbildungen zeichnen die Ausbildung in den meisten Gesundheitsberufen aus und bieten eher abschreckende Einblicke in den späteren Berufsalltag. Und so ist es nicht selten, dass nach nur wenigen Jahren Berufstätigkeit der Enthusiasmus und die Identifikation mit der untersuchenden, therapierenden und pflegerischen Arbeit gänzlich verschwinden.

Uns und den allermeisten Angestellten in der Gesundheits- und Pflegebranche geht es daher nicht vorrangig darum, lediglich höhere Löhne zu erkämpfen, sondern die körperlich- geistige Belastung, Stress, Entfremdung der Aufgaben und Tätigkeiten, Profitorientierung und Bürokratie während der Arbeit zu beseitigen, beziehungsweise zu minimieren.

Wir setzen uns für gegenseitige, praktische und arbeitsrechtliche Unterstützung und den Austausch unter Beschäftigten und Abhängigen im Gesundheitswesen ein. Vielerorts gilt es, dass die bloße Anwendung des geltenden Arbeitsrechts bereits eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen schaffen würde. Darüber hinausgehende Verbesserungen wollen wir durch direkte Aktionen bewirken, welche sich an der jeweiligen Situation orientierten und die im Gesundheitswesen speziellen Umstände berücksichtigen, anstatt nur immergleiche vertröstende und erfolgsarme Rituale, welche als Verhandlungen bezeichnet werden, zu durchlaufen.

Langfristig ist es unser Ziel, eine basisdemokratische gewerkschaftliche Bewegung mit besonderer Rücksichtnahme und Einbindung von Patient_innen aufzubauen, welche nicht darauf angewiesen ist, auf immerwiederkehrende dürftige Gesundheitsreformen zu warten, sondern die in der Lage ist, die Gesundheitsversorgung und Altenpflege bedarfsgerecht, ohne aufgeblähten Verwaltungs- und Versicherungsapparat zu organisieren.

2 Gedanken zu „Pflege und Gesundheit“

  1. Hallo, leider betreffen die Verschlechterungen nicht nur angestelltes Pflegepersonal, sondern auch mich als angestellte Augenärztin in einer Gemeinschaftspraxis. Trotz immer höheren Patientenzahlen in den letzteren 5 Jahren wurde ich schlecht bezahlt, gemobbt und vor 4 Wochen ohne jede Vorankündigung und Abmahnung fristgerecht gekündigt. Eine Kündigungsschutzklage ist nicht erfolgt, da nur 9 Angestellte vorhanden sind. Ich werde wohl wegziehen müssen, denn hier gibt es keine freien Stellen.
    Da kann ich mir gut vorstellen, wie die noch Schwächeren behandelt werden.
    Grüße
    Dana Ratayczak

  2. Die Patientenbewertungen der hier lamentierenden Augenärztin (inzwischen im Netz nicht mehr einsehbar) sprachen für sich… Kündigung war wohl nicht ganz unbegründet.
    Am besten konnte sie sich wohl auch abfällig über ärztliche Kollegen äußern.
    Kein Verlust für Dresden…

    Walter Gerber

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